Freispiel
Das Wort "Freispiel" ist in der Kindergartenpädagogik zu einem feststehenden Begriff geworden. Man bezeichnet damit die Zeitspanne im Tagesablauf, in der die Kinder in möglichst freier Selbstbestimmung ihre Tätigkeit wählen und spontanen Spielbedürfnissen nachgehen können.Im Freispiel suchen sie ihr Spielmaterial und ihre Spielpartner selbst aus, setzen sich selbst ihre Ziele und Spielaufgaben und bestimmen von sich aus Verlauf und Dauer ihres Spiels. Im praktischen Umgang mit Kindern stellt man fest, dass sie von sich aus sowohl völlig frei spielen wollen wie auch die perfekte Beschäftigung und die gezielt ausgelegte Lernsituation suchen.
Aufgabe des Erziehers ist es, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen freiem Spiel und gelenkter Übung zu schaffen und bei allen Betätigungen des Kindes das rechte Maß an Freiheit und Führung zu gewähren, damit eine möglichst optimale Entfaltung der kindlichen Persönlichkeit erfolgen kann. Im tätigen Umgang mit den Dingen ergreift und begreift das Kind seine Umwelt, bildet und klärt sich Begriffe. Im freien Spiel gelangen körperliche, geistige und seelische Kräfte zur Entfaltung. Vielerlei Fertigkeiten werden geübt und weiter herausgebildet. Das Kind lernt zu wählen und zu entscheiden. Es erfährt, dass es handelnd seine Umwelt verändern und Probleme lösen kann. Im Zusammenspiel mit anderen Kindern kommt es zur Ausbildung sozialer Verhaltensweisen (Kommunikation, Rücksichtnahme, Kooperation) Im Spiel verarbeitet das Kind Erlebnisse und Eindrücke aus der Vergangenheit, bewältigt es gegenwärtige Ängste und Spannungszustände und schafft sich beglückende Wunscherfüllungen. Kurz: Das freie Spiel dient in vielfältiger Weise der Vorbereitung auf das spätere Leben.
Aber auch Spielen will gelernt sein. Nicht nur entwicklungsgestörten Kindern, sonder auch "normalen" und gesunden Kindern gelingt das echte Spiel nicht immer. Die Ursachen können vielfältiger Natur sein: Wechselnde Stimmungslage, äußere Störmomente, Belastung durch außergewöhnliche Erlebnisse, Überdruss an einer eintönigen Umgebung, Reizüberflutung, Veränderungen im soziale Gefüge der Gruppe, falsche Selbsteinschätzung und ähnliches. Finden Kinder nicht selbst Wege zur Überwindung derartiger Schwierigkeiten, so stellen sich dem Erzieher konkrete Aufgaben wie z. B.: Starthilfen zu Beginn einer Spielhandlung geben, Ausübung einer Schutzfunktion, Bereicherung des Spiels durch Anregung und Vermittlung von Kenntnissen, Hilfe bei der Lösung von Problemen und Konflikten, Hilfe zur Kontaktaufnahme geben. Wichtigste Voraussetzung jedoch ist, dass die Kinder in einer heiteren, fröhlich gelockerten Atmosphäre spielen können, sich angenommen, verstanden und ernst genommen fühlen.